| Bahnradsport |
Als Bahnradsport bezeichnet man verschiedene Radrennen, welche alle auf einer Radrennbahn - meistens aus Holz oder Beton und mit überhöhten Kurven - ausgeübt werden. Er ist Teil der Olympischen Spiele und führt eigene Radweltmeisterschaften durch. Eine Besonderheit stellen die Sechstagerennen dar. Technische Besonderheiten von BahnrädernBahnräder müssen vor allem auf die besonderen Kräfte der Beschleunigung, Richtungsänderungen und Fliehkräften in den Kurven, ausgelegt sein. Aus diesem Grunde kommt es mehr auf Stabilität, denn auf Gewicht an. Um bei den hohen Geschwindigkeiten und den engen Radien auf der Bahn die Gefahr von Stürzen zu minimieren, haben Bahnräder als Besonderheit weder Freilauf noch Bremse sondern einen sogenannten „starren Gang“. Der ist vorgeschrieben. Tritt ein Fahrer unablässig weiter, kann er Lenkmanöver kontrollierter ausführen, ähnlich wie bei einem PKW, der beim Bremsvorgang mit laufenden Rädern besser lenkabar ist. Um bei den schrägen Kurvenfahrten ein Kratzen der Pedale auf die Bahnkurve zu verhindern, ist das Tretlager der Bahnräder im Vergleich zu Straßenrennrädern um bis zu vier Zentimeter höher als bei üblichen Straßenrennrädern. Eine übliche Unterscheidung im Bahnradsport wird über Kurzzeit- und Ausdauer-Disziplinen vorgenommen. ![]() 1. Kurzzeitdisziplinen Sprint Von Insidern gern als „Fliegerrennen“ bezeichnet fahren jeweils zwei oder mehr (bis zu vier) Sportler gegeneinander über eine Distanz von 1000 Metern = drei Runden. Bei Bahnen mit einer häufig gewählten Länge von 333,33 Metern, d.h. die Rundenzahl kann je nach Bahnlänge variieren). Sieger ist, wer als erster die Ziellinie überquert, wobei die Zeit unerheblich ist. Sie wird nur zu Zwecken der Zusammensetzung der Turnierpaarungen gemessen. Dies führt dazu, dass die Kontrahenten in der Regel während der ersten beiden Runden extrem langsam fahren und sich nur belauern, teilweise sogar Stehversuche machen. Entscheidend ist der – explosive – Antritt und die Endgeschwindigkeit (bis über 75 km/Stunde). Die Wettkämpfe werden meist in Turnierform ausgetragen. Die Fahrer müssen sich in einer Kombination aus verschiedenen Läufen qualifizieren. Der Höhepunkt ist das Finale. TandemDas Tandemrennen ist eine Disziplin, die zunehmend in Vergessenheit gerät. Durch die Tendenz zu immer kürzeren Bahnen wird diese Disziplin schwierig, da in den engeren Kurven der kürzeren Bahnen zu hohe Kurvenkräfte auftreten. Es handelt sich prinzipiell um die Disziplin Sprint, wobei diese jedoch von zwei Fahrern auf einem zweisitzigen Fahrrad, dem Tandem, ausgetragen wird. Der Mann am Lenker, der Vordermann ist der Steuermann, während der hinten sitzende Fahrer so gut wie kaum nach vorne blickt und sich auf seinen Partner verlässt. Auf einem Tandem werden die höchsten Geschwindigkeiten (bis zu 80 km/h) erreicht. Hierbei handelt es sich um einen Mannschaftssprint. Es fahren jeweils drei Fahrer in einem Team. Der jeweils führende Fahrer scheidet nach einer Runde aus. Der Start erfolgt, wie beim Verfolgungsrennen, auf den gegenüberliegenden Geraden der Bahn, dabei wird hier von Anfang an maximales Tempo gefahren. Die beiden ersten Fahrer dienen dem dritten, der den Sieg ins Ziel fährt, als Anfahrer. Der letzte Mann wird für die letzte Runde im Windschatten geschont. Auch dieser Wettbewerb wird für Frauen veranstaltet. Keirin Eine aus Japan stammende Variante des Sprints wird mit jeweils acht Fahrern bzw. Fahrerinnen über eine Distanz von etwa 2000 Metern ausgetragen, immer in Abhängigkeit von der Länge der Bahn. Während der ersten zwei Drittel der Distanz fährt ein Dernyfahrer, das ist ein Mann auf einem Moped, vor dem Feld und beschleunigt langsam auf eine Geschwindigkeit von etwa 40-45 km/h. So fahren sich die Fahrer langsam warm, um bei optimaler Betriebstemperatur die maximale Leistung ihren Muskeln abzufordern. Nachdem der Derny die Bahn verlassen hat, beginnt der Finalkampf. Während dieses Kampfes sind Berührungen zwischen den Kontrahenten im Gegensatz zum klassischen Sprint, wie oben beschrieben im begrenzten Umfang erlaubt. Je nach Teilnehmerzahl wird auch Keirin in mehreren Runden ausgetragen. Dieses Rennen hat sich ob der höheren Action – gerade bei Jüngeren - als ein Publikumsmagnet erwiesen. EinzelzeitfahrenZeitfahren werden für Männer über 1.000 und für die Frauen über 500 Meter ausgetragen. Im Gegensatz zur Einerverfolgung startet immer nur ein Fahrer. Diese werden mit stehendem Start gefahren, d. h. die Fahrer müssen zunächst aus dem Stand auf fast maximale Geschwindigkeit beschleunigen - über ca. 200 Meter - und diese dann noch über 800 Meter für Männer und über 300 Meter für die Frauen halten. Bei dieser Disziplin werden im Männer-Bereich oft Durchschnittsleistungen von über 1000 Watt erzielt. Durch den vollständigen Einsatz der unterschiedlichen Energiereserven, ist im Ziel der Sportler völlig erschöpft: Er hat alles gegeben. ![]() 2. AusdauerdisziplinenEiner-Verfolgung Die Einer-Verfolgung führt bei den Männern über 4.000 bei den Frauen über 3.000 Meter. Es fahren immer zwei Konkurrenten gegeneinander. Gestartet wird jeweils von den gegenüberliegenden Geraden der Bahn. Sieger ist der Fahrer, der seinen Gegner bzw. seine Gegnerin einholt oder, falls das bis zum Ende der Distanz nicht möglich war, die schnellere Zeit erzielt. Auch hier wird der Gesamtsieger oder die Gesamtsiegerin über mehrere K.O.-Runden mit dem großen Finale ermittelt. 4000 m-MannschaftsverfolgungDer Modus ist gleich dem der Einer-Verfolgung. Hier treten jedoch zwei Mannschaften zu je vier Fahrern gegeneinander an. Die Zeitmessung erfolgt bei Zieldurchgang des dritten Fahrers einer Mannschaft. Oft kann unter Umständen ein Fahrer pro Mannschaft im Laufe des Rennens ausscheiden. Taktisch wird das oft - bis zur Erschöpfung des vierten - ohne die Siegeschancen der Mannschaft zu gefährden, ausgeschöpft. Die Mannschaftsverfolgung gilt als Königsdisziplin des Bahnradsports. Neben der individuellen Leistungsfähigkeit spielt die perfekte Abstimmung aufeinander die entscheidende Rolle: Schnelle Führungswechsel, Hinterradfahren auf minimalem Abstand. Ein erheblicher Trainingsaufwand ist also im Fitness- und Taktikbereich erforderlich. Im Gegensatz zu Rennen mit einem Massenstart, bei denen die Fahrer mit einem Abstand von 30 Zentimetern bis zu über einem Meter am Hinterrad des Vorausfahrenden fahren, beträgt der ideale Abstand zwischen den Fahrern eines solchen „Viererzuges“ 15–20 Zentimeter. Beim Führungswechsel macht man sich die Bahnüberhöhung in den Kurven geschickt zunutze: Der Führende schert in der Kurve nach oben aus und verliert mit diesem Manöver schnell an Geschwindigkeit, die er dann aus der höheren Lageenergie wieder zurückgewinnt. Er schießt vom oberen Bahnrand wieder nach unten und setzt sich hinter den dritten Fahrer ans Ende seines Teams. Scratch Diese Disziplin bei der eine größere Anzahl von Fahrern bzw. Fahrerinnen gemeinsam über eine Distanz von beispielsweise 30 Runden starten. Der Sieger ist der Fahrer, der als erster die Distanz beendet. Diese Rennen sind häufig stark von der Taktik geprägt. Hierbei ist oft von entscheidender Bedeutung, sich einen Rundenvorsprung zu erkämpfen und diese mit dem Feld ins Ziel zu retten. Früher hieß diese Disziplin „Malfahren“; das „Mal“ war der Zielstrich. PunktefahrenFür Männer über 10–40 km während die Frauen über 5–24 km fahren. Beim Punktefahren erfolgt nach einem Massenstart in vorher festgelegten Intervallen - z. B. alle 10 Runden - eine Punktevergabe (5 für den Ersten und folgend 3, 2, 1 Punkt). Die Wertung erfolgt immer an der Ziellinie, die meistens erst im Sprint erkämpft wird. Dies ist eine gute Übungsform für Jugend und Amateure, die auch von unseren Trainern während des RGH- und Verbandstrainings integriert ist. Madison oder auch Américaine genannt werden nur für Männer, meistens die Disziplin, in der die bekannten Sechstagerennen in den großen Hallen, ausgetragen werden. Das Zweier-Mannschaftsfahren wird aber auch bei offiziellen Meisterschaften und bei Olympischen Spielen über eine geringere Distanz ca. 60 Kilometer ausgetragen. Grundsätzlich kann die Ablösung nach beliebiger Distanz erfolgen. Da jedoch üblicherweise beide Fahrer auf der Bahn bleiben, überrundet ständig der eine Fahrer den anderen und die Ablösung erfolgt aufgrund des Verhältnisses der Geschwindigkeiten – etwa 35:50 – etwa alle zwei bis zweieinhalb Runden. In vorher festgelegten Intervallen werden Punktewertungen ausgefahren (5, 3, 2, 1 Punkte). Sieger ist die Mannschaft mit den meisten Punkten. Eine besondere technische Schwierigkeit stellt beim Zweier-Mannschaftsfahren die Ablösung dar. Da der im Rennen befindliche Fahrer sich gewöhnlich dem ablösenden Fahrer mit sehr viel höherer Geschwindigkeit nähert, ist es effizienter, ihm den „Schwung“ in irgendeiner Form mitzugeben, als die Energie wie beim Ablösen „auf Sicht“ verpuffen zu lassen. Heute geschieht dies durch den sogenannten Schleudergriff, bei dem der vordere Fahrer sich an der ausgestreckten Hand des von hinten kommenden Fahrers „abzieht“. Für ambitionierte Fahrer, aber für Amateure die nicht zur Spitze des BDR und seinen Olympiakadern gehören, eine zu vernachlässigende Disziplin. In der RGH wird zurzeit kein Training im Zweier-Mannschaftsfahren durchgeführt. Steherrennen Der Fahrer des Motorrades wird Schrittmacher genannt. Er steht auf den Fußrasten seiner Maschine. Dabei werden Geschwindigkeiten von teilweise über 100 km/h erzielt und auch über längere Abschnitte gehalten. Steherrennen gehen über Distanzen bis zu 100 Kilometern. Sie ziehen immer noch eine bedeutende Zahl von Zuschauern an. Zwar ist die Zuschauerresonanz nicht mehr so groß wie vor zwanzig oder dreißig Jahren, dennoch faszinieren sie immer noch viele Menschen. Die Fahrer (Steher) sind in keiner Weise mit dem Schrittmacher verbunden. Ihre Fortbewegung erfolgt ausschließlich durch ihre Beinarbeit. Dadurch gehören Steherrennen zu einer der schwersten Leistungssportarten. Der Fahrer versucht dabei, möglichst nahe an der Rolle des vor ihm fahrenden Schrittmacher-Motorrades zu bleiben, um möglichst viel Windschatten zu erhalten. Für den Nachwuchs und den Amateursport spielt diese Disziplin nur eine Randrolle. In der RGH findet das „Mopedfahren“ nicht statt. |